Micron Document
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Kössern
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Kössern ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Grimma im Landkreis Leipzig in Sachsen. Die einstige Gemeinde Kössern mit ihrem Ortsteil Förstgen wurde am 1. Januar 1994 nach Großbothen eingemeindet. Mit der Auflösung der Gemeinde Großbothen kamen am 1. Januar 2011 die fĂŒnf nördlichen Ortsteile zur Stadt Grimma. Seitdem bilden Kössern und Förstgen die Ortschaft Kössern.

Contents

‱ Geographie
‱ Nachbarorte
‱ Geschichte
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geographie

Geographische Lage und Verkehr

Kössern befindet sich sĂŒdöstlich von Grimma zwischen dem Ufer der Mulde im Westen und SĂŒden und dem ThĂŒmmlitzwald im Osten. Der aus diesem Forstgebiet kommende Schmelzbach mĂŒndet östlich des Orts in die Mulde. Zu Kössern gehört das Forsthaus Pielitzberg, welches sich sĂŒdlich der am ThĂŒmmlitzsee liegenden Bungalowsiedlung Amalienburg (bereits in der Flur von Förstgen) befindet.

Kössern ist durch eine StraßenbrĂŒcke ĂŒber die Mulde direkt mit Großbothen und dem Bahnhof Großbothen verbunden. WĂ€hrend die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig noch in Betrieb ist, wurde die Bahnstrecke Glauchau–Wurzen (Muldentalbahn) stillgelegt. Beide Bahnstrecken trennen sich sĂŒdlich von Kössern auf dem anderen Muldenufer in einem Gleisdreieck voneinander. Die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig ĂŒberquert anschließend auf einem Viadukt die Mulde und verlĂ€uft danach in der sĂŒdlichen Kösserner Flur.

Nachbarorte

Geschichte

Im Jahr 1300 wurde der Rundweiler Kössern als usque ad obstaculum, quod dicitur Kozzerwer das erste Mal erwĂ€hnt. BezĂŒglich der Grundherrschaft gehörte Kössern zum Rittergut Kössern,cite-ref-4-2-0[2] welches im Jahr 1348 als Herrensitz eines Apez von Kozzer und im Jahr 1548 als Rittergut genannt ist. Zu dessen Gerichtsbarkeit gehörten neben Kössern auch Teile des Nachbarorts Förstgen und das Vorwerk Pielitzberg, welches auch den Namen Amalienburg trug.cite-ref-3[3]

Das ursprĂŒngliche Herrenhaus von Kössern entstand im Jahr 1541 durch Nikol von Techwitz. Als Besitzer des Ritterguts Kössern folgte im 17. Jahrhundert die Familie Haugwitz, welche das Anwesen im Jahr 1693 an die Familie von Erdmannsdorff verkaufte. Um 1709 erfolgte der Bau des Jagdhauses Kössern unter Wolf Dietrich von Erdmannsdorff (1646–1723), dem OberhofjĂ€germeister und Ältestenminister am Hofe Augusts des Starken fĂŒr herrschaftliche Jagdgesellschaften. Baumeister des barocken Jagdschlosses war nicht – wie vielfach erwĂ€hnt – MatthĂ€us Daniel Pöppelmann, sondern Wolf Dietrich von Erdmannsdorf selbst. Pöppelmann lieferte jedoch den Entwurf der Fassade des Jagdhauses im Stil des Dresdner Barock. Die Fassade wurde reich bemalt, der Festsaal mit Kaminen und DeckengemĂ€lden prĂ€chtig gestaltet.cite-ref-4[4] Weiterhin ließ von Erdmannsdorff das Kavalierhaus (ab 1849 als Schule genutzt) und das Rittergut erbauen. Letzteres diente seinen eigenen Wohnzwecken.cite-ref-5[5] Zwischen 1695 und 1781 entstanden in Kössern eine Schenke, eine MĂŒhle und eine regelmĂ€ĂŸige Handwerkersiedlung, bestehend aus 45 nahezu identischen HĂ€usern fĂŒr 35 Gewerke. Im Jahr 1725 wurde an der Straße nach Keiselwitz nordöstlich von Kössern das Forsthaus Pielitzberg erbaut, welches der Oberforstmeister Wagner aufgrund der Königlichen Jagd im nahe gelegenen ThĂŒmmlitzwald errichten ließ. abNördlich des Forsthauses Pielitzberg ließ Oberförster Kermeß im Jahr 1773 ein herrschaftliches Landgut mit großem Aufwand errichten. Die Besitzerin Amalie von Rango prĂ€gte fĂŒr dieses Vorwerk Pielitzberg ab 1821 den Begriff Amalienburg. Ihr Ehemann grĂŒndete hier eine Privatschule fĂŒr höher gebildete Jungen. Von dem einstigen Vorwerk ist lediglich ein Wohnhaus erhalten geblieben.cite-ref-6[6] Als Besitzer des Ritterguts Kössern folgte ab 1772 die nachfolgend Silvester 1796cite-ref-7[7] nobilitierte Familie von Abendroth. 1871 wurde das Herrenhaus im Stil der Neorenaissance umgestaltet.

Kössern gehörte bis 1856 zum kurfĂŒrstlich-sĂ€chsischen bzw. königlich-sĂ€chsischen Amt Colditz.cite-ref-8[8] Bei den im 19. Jahrhundert im Königreich Sachsen durchgefĂŒhrten Verwaltungsreformen wurden die Ämter aufgelöst. Dadurch kam Kössern im Jahr 1856 unter die Verwaltung des Gerichtsamts Grimma und 1875 an die neu gegrĂŒndete Amtshauptmannschaft Grimma.cite-ref-9[9] Kirchlich gehörte Kössern bis 1930 zu Leipnitz. Aufgrund der großen Entfernung zur Kirche Leipnitz legte die Gemeinde Kössern 1928 einen eigenen Friedhof mit Kapelle und einem hölzernen freistehenden Glockenturm an. Seit 1930 gehört Kössern kirchlich zu Großbothen. Im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone ab 1945 wurde die Familie von Abendroth entschĂ€digungslos enteignet. Das betraf das Jagdhaus und das Rittergut mit 232 Hektar, einschließlich Herrenhaus und WirtschaftsgebĂ€ude. Eine Sanierung um 1970 bewahrte das Jagdhaus vor dem Verfall. Heute ist es eine KulturstĂ€tte, betreut durch den im Jahre 2000 gegrĂŒndeten Verein DAS JAGDHAUS – Dorfentwicklungs- und Kulturverein Kössern / Förstgen e. V. Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts und seine noch erhaltenen WirtschaftsgebĂ€ude befanden sich lange Zeit in beklagenswertem baulichem Zustand, wurden aber in den Jahren 2012 bis 2018 restauriert.cite-ref-4-2-1[2]

Durch die zweite Kreisreform in der DDR im Jahr 1952 wurde die Gemeinde Kössern dem Kreis Grimma im Bezirk Leipzig angegliedert. Am 1. Januar 1965 erfolgte die Eingemeindung von Förstgen.cite-ref-10[10] Auf dem Areal des einstigen Vorwerks Amalienburg in der Flur von Förstgen entstand ab 1969 ein Wochenendgebiet mit 130 Bungalows.cite-ref-11[11] Nordöstlich dieser entstand im Jahr 1975 der ThĂŒmmlitzsee durch Anstauung des ThĂŒmmlitzbachs.

Die Gemeinde Kössern kam Jahr 1990 zum sĂ€chsischen Landkreis Grimma, der 1994 im Muldentalkreis bzw. 2008 im Landkreis Leipzig aufging. Am 1. Januar 1994 schloss sich die Gemeinde Kössern mit ihrem Ortsteil Förstgen im Rahmen einer Gebietsreform mit den Gemeinden Großbothen, Leisenau und Sermuth-Schönbach zur Großgemeinde Großbothen zusammen.cite-ref-12[12] Bei der Auflösung der Gemeinde Großbothen kam Kössern am 1. Januar 2011 mit den vier weiteren nördlichen Ortsteilen – Großbothen, Schaddel, Kleinbothen und Förstgen zur Großen Kreisstadt Grimma. Seitdem bilden Kössern und Förstgen die Ortschaft Kössern.cite-ref-13[13]

Entwicklung der Einwohnerzahl

| Jahr | Einwohnerzahl |
|---|---|
| 1548/51 | 11 besessene Mann , 20 Inwohner , 5 1 ⁄ 8 Hufen |
| 1764 | 11 besessene Mann, 57 HĂ€usler , 5 1 ⁄ 8 Hufen |
| 1834 | 538 |
| 1871 | 546 |
| 1890 | 559 |
| 1910 | 487 |
| 1915 | 568 |
| 1925 | 572 |
| 1939 | 578 |
| 1940 1 | 818 |
| 1946 | 735 |
| 1949 | 760, davon 190 Umsiedler |
| 1950 | 820 |
| 1964 | 644 |
| 1980 1 | 603 |
| 1990 1 | 615 |
| 1991 1 | 617 |
| 2003 1 | 693 |
| 2014 1 | 583, davon 453 Kössern und 130 Förstgen |
| 2019 1 | 439 |
| | 1 mit Förstgen |

BĂŒrgermeister und Ortsvorsteher Kössern, Förstgen und dem Gemeindeverbund

| Zeitraum | Person |
|---|---|
| 1838–1840 | Christian Steuer (GĂ€rtnergutsbesitzer) |
| 1840–1854 | Friedrich Köhler |
| 1854–1887 | August Birnbaum (HĂ€usler) |
| 1887–1918 | Hermann Wehnert (GĂ€rtnergutsbesitzer) |
| 1919–1923 | Georg Lamprecht (Gastwirt) |
| 1923–1934 | Otto Ulbricht |
| 1934–1940 | Karl Lange |
| 1940–1946 | Otto Ulbricht |
| 1946–1956 | Alfred Hohaus |
| 1956–1957 | Rudolf Freudn |
| 1957–1965 | Felix Beyer |

| Zeitraum | Person |
|---|---|
| 1838–1858 | A. Julius Richter |
| 1858–1869 | Ehregott Kießling |
| 1869–1881 | Wilhelm Hanns |
| 1881–1892 | Hermann Friedrich |
| 1892–1922 | Moritz Exner |
| 1922–1945 | Paul MĂŒller |
| 1945–1947 | Alfred Taube |
| 1947–1950 | Oswin Weiske |
| 1950–1956 | Oskar Schmidt |
| 1956–1965 | Werner Kötz |

| Zeitraum | Person |
|---|---|
| 1965–1977 | Werner Kötz |
| 1977–1984 | Fritz Thiemer |
| 1984–1990 | Wolfgang Domnick |
| 1990–1994 | Manfred Handwerk |

| Zeitraum | Person |
|---|---|
| 1994–1999 | Manfred Handwerk |
| 1999–2009 | Petra Brummer |
| 2009–2011 | Dietmar Meißner |
| ab 2011 | Andreas Weishaupt |

SehenswĂŒrdigkeiten

Siehe auch

:

Liste der Kulturdenkmale in Kössern

‱ Rittergut Kössern, bestehend aus dem Herrenhaus, NebengebĂ€uden, Boskett, Garten im Stil der Neorenaissance / Barock

‱ Obeliskenpaar im Boskett des Rittergut Kössernscite-ref-14[14]
‱ Kavaliershaus
‱ Forsthaus Kössern (Pielitzberg)
‱ FĂ€hrhaus mit Bootsschuppen und Bergkeller
‱ Ehemaliges BrĂŒckenzollhaus

Persönlichkeiten

‱ Hermann von Abendroth (* 1807 in Kössern; † 1884 in Grimma): nach Jurastudium Rittergutsbesitzer in Kössern und Abgeordneter im SĂ€chsischen Landtag
‱ Ferdinand von Abendroth (* 1916 in Kössern; † 1944 bei Lemberg): Major der Wehrmacht und RitterkreuztrĂ€ger, gefallen 1944 in der Ukrainecite-ref-15[15]
‱ Manfred Berger (* 1921 in Leipzig; † 2009): Architekt, Hochschullehrer und Denkmalpfleger, ansĂ€ssig in Kössern, Verdienste um die Erhaltung und Restaurierung des Jagdhauses

Historische FÀhren Kössern/Förstgen

Bereits 1558 wurde dem Rittergut Kössern durch KurfĂŒrst August die Fischerei- und FĂ€hrgerechtigkeit verliehen. In der entsprechenden Urkunde heißt es, dass „die Leute ĂŒberzusetzen und nicht zu beschweren“ seien.cite-ref-16[16] Im Jahr 1745 versuchte der Amtmann von Grimma vergeblich, dem Rittergut diese Rechte streitig zu machen.cite-ref-17[17] Die Auseinandersetzungen ĂŒber die FĂ€hrrechte zogen sich ĂŒber mehrere Jahrzehnte hin, in denen keine offiziellen Unterlagen zur FĂ€hrnutzung ĂŒberliefert sind.cite-ref-18[18] Erst 1808 wurde die FĂ€hrverbindung wieder aufgenommen, wobei erneut Streitigkeiten mit den StĂ€dten Colditz und Grimma entbrannten. Diese wurden letztlich zugunsten des Rittergutes Kössern entschieden. Es durfte die FĂ€hre jedoch nur zum Eigengebrauch betreiben, das Übersetzen von geleitpflichtigem Fuhrwerk war nicht gestattet.cite-ref-19[19] Im Jahr 1859 wurde die FĂ€hre an einen Tagelöhner verpachtet.cite-ref-20[20] Etwas flussabwĂ€rts davon entstand 1887–1888 eine MuldenbrĂŒcke in Richtung Großbothen, errichtet vom Staat unter Mitwirkung des Gutsbesitzers Alfred von Abendroth. Der BrĂŒckenzoll wurde bis zum Ersten Weltkrieg vom Rittergut Kössern erhoben.cite-ref-21[21] Der historische Standort der FĂ€hre ist heute noch durch das historische FĂ€hrhaus Kössern erkennbar (s. Liste der Kulturdenkmale in Kössern).

Auch im benachbarten Förstgen bestand eine FĂ€hrverbindung ĂŒber die vereinigte Mulde nach Kleinbothen. Eine Furt an dieser Stelle ist bereits 1473/74 und 1618 belegt.cite-ref-22[22] Im Jahr 1874 wurde der Gemeinde Förstgen eine FĂ€hrgerechtigkeit gegen einen jĂ€hrlichen Canon von drei Mark zuerkannt. ZusĂ€tzlich musste eine EntschĂ€digung in Höhe von fĂŒnf Groschen an das auf der gegenĂŒberliegenden Uferseite gelegene Land- und Schulgut Nimbschen gezahlt werden.cite-ref-23[23] Die jĂ€hrlichen Einnahmen aus dem Betrieb der FĂ€hre betrugen im Jahr 1877 durchschnittlich 60 Pfennig.cite-ref-24[24] Der frĂŒhere FĂ€hrstandort ist heute noch durch den hinfĂŒhrenden Straßennamen „FĂ€hrweg“ erkennbar. Die Notwendigkeit des Betriebes beider FĂ€hrstandorte entfiel durch den Bau der StraßenbrĂŒcke ĂŒber die Mulde.

Eisenbahn-Viadukt Kössern

Die EisenbahnbrĂŒcke Kössern ist ein 310 Meter langes Viadukt ĂŒber die Freiberger Mulde und gehört zur Bahnstrecke Borsdorf–Coswig (Strecke 6386).cite-ref-5-25-0[25]cite-ref-26[26] Das Bauwerk wurde in den Jahren 1866 bis Mai 1867 im Zuge des Baus der Eisenbahnverbindung Leipzig–Döbeln–Dresden durch das Jacobiwerk in Meißen errichtet, als Teil der infrastrukturellen Erschließung Sachsens im 19. Jahrhundert.cite-ref-27[27] Der Viadukt besteht aus einer auf Natursteinpfeilern gelagerten VollwandtrĂ€gerbrĂŒcke und gilt als grĂ¶ĂŸtes Ingenieurbauwerk dieser Strecke. Die BrĂŒcke wurde mehrfach umgebaut und ist heute ein eingetragenes Kulturdenkmal des Freistaates Sachsen. Sie besitzt neben ihrer landschaftsprĂ€genden Wirkung auch verkehrsgeschichtliche Bedeutung.cite-ref-28[28]

UrsprĂŒnglich profitierte der Ort Kössern kaum vom Bau der Bahnlinie, da er keine eigene Haltestelle erhielt. Trotz Petitionen von Gemeindevorstehern und dem Rittergutsbesitzer wurde dies mit der NĂ€he zu den Bahnhöfen Großbothen und Tanndorf abgelehnt. Der nĂ€chstgelegene Bahnhof in Großbothen war fĂŒr die Einwohner Kösserns jedoch nur mittels einer FĂ€hre bei den „Vier HĂ€usern“ (Förstgen) erreichbar. Insbesondere bei Hochwasser oder Eisgang war der Ort vom Bahnverkehr abgeschnitten, bis 1887/1888 eine StraßenbrĂŒcke ĂŒber die Mulde errichtet wurde.cite-ref-29[29]

Das Eisenbahnviadukt wird von der Deutschen Bahn unter der Bezeichnung „EisenbahnĂŒberfĂŒhrung ĂŒber Graben/Flutöffn. zeitw. Wasser“ gefĂŒhrt. Es befindet sich im Regionalbereich SĂŒdost (Netzsegment Zwickau) und ist der GeschĂ€ftseinheit DB InfraGO AG zugeordnet. Die BrĂŒcke umfasst eine FlĂ€che von etwa 3.100 mÂČ und befindet sich laut Bewertung im Zustand „ZK 4“, was bedeutet, dass Erneuerungsmaßnahmen geplant sind.cite-ref-5-25-1[25]

MuldenbrĂŒcke Kössern - Großbothen

Die MuldebrĂŒcke Kössern-Großbothen ist ein historisches Bauwerk, das die Mulde westlich von Kössern ĂŒberquert und eine wichtige Verbindung zwischen den umliegenden Gemeinden darstellt. Sie wurde vom 18. August 1887 bis zum 20. August 1888 von der Firma Lippold aus Holzminden unter der Leitung der Königlichen Straßen- und Wasser-Bauinspektion Grimma errichtet. Der Bau der BrĂŒcke war notwendig, da die vorherige Furt zwischen Förstgen und Kleinbothen, die bereits in Rechnungen des Amtes Colditz aus den Jahren 1473/74 erwĂ€hnt wurde, bei Hochwasser oder Eisgang oft unpassierbar war. Dies fĂŒhrte dazu, dass Kössern regelmĂ€ĂŸig vom Fuhrwerksverkehr abgeschnitten war. Jahrelange BemĂŒhungen des Gemeindevorstehers und des Rittergutsbesitzers von Kössern fĂŒhrten schließlich dazu, dass der sĂ€chsische Staat den Bau der BrĂŒcke genehmigte.cite-ref-0-30-0[30]cite-ref-1-31-0[31]

Die Baukosten betrugen insgesamt ca. 129.000 Mark, wovon das Rittergut Kössern sowie die umliegenden Gemeinden Förstgen, Keiselwitz und Leipnitz ĂŒber 34.000 Mark beisteuerten. Der damalige Rittergutsbesitzer Alfred von Abendroth erhielt fĂŒr seine finanzielle Beteiligung und die Bereitstellung des Zugangslandes das Recht, BrĂŒckenzoll zu erheben. Zu diesem Zweck ließ er 1888 ein BrĂŒckenzollhaus am westlichen Ortsausgang errichten, das heute verlassen ist, aber zuvor als Wohnhaus diente. Laut Tarifverzeichnis waren FußgĂ€nger, Mitglieder des Königlichen Hauses, Beamte, MilitĂ€rangehörige und Feuerwehrleute im Dienst sowie unbeladene Schubkarren und Kleintiere vom Zoll befreit. Radfahrer versuchten hĂ€ufig, die GebĂŒhr von 5 Pfennigen zu umgehen, indem sie ihre FahrrĂ€der ĂŒber die BrĂŒcke trugen, was zu einem Rechtsstreit fĂŒhrte, der 1892 zugunsten eines Arbeiters entschieden wurde. Die Erhebung des BrĂŒckenzolls endete mit Beginn des Ersten Weltkriegs.cite-ref-0-30-1[30]cite-ref-1-31-1[31]

Die BrĂŒcke besteht aus sechs korbbogenförmigen Gewölben mit einer GesamtlĂ€nge von 142,50 m. Die lichten Weiten der Bögen variieren zwischen 19,48 m und 22,51 m. Die tragenden Bögen wurden aus Quarzporphyr-Bruchsteinmauerwerk errichtet, wĂ€hrend die Gesimse aus Sandstein gefertigt wurden. Die Pfeiler sind rund gestaltet und verfĂŒgten ĂŒber begehbare Kanzeln mit SandsteinbrĂŒstungen, die einen Blick in das breite Flusstal ermöglichten. Die BrĂŒcke wurde auf der Westseite flach auf Porphyr gegrĂŒndet, wĂ€hrend die östlichen Pfeiler und das rechte Widerlager im tragfĂ€higen Flusskies gegrĂŒndet wurden. Die Bauweise der BrĂŒcke entspricht der typischen Architektur sĂ€chsischer MuldebrĂŒcken und ist ein Beispiel fĂŒr die akademische Form der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts.cite-ref-2-32-0[32]cite-ref-3-33-0[33]cite-ref-1-31-2[31]

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs konnte die Zerstörung der BrĂŒcke durch den damaligen BĂŒrgermeister Otto Ulbricht verhindert werden. Sie blieb unbeschĂ€digt und ist bis heute im Originalzustand erhalten. Nach dem Krieg diente die BrĂŒcke nicht nur dem FlĂŒchtlingsstrom in Richtung Westen, sondern auch der Verlegung großer VerbĂ€nde der Sowjetarmee nach Westsachsen und ThĂŒringen.cite-ref-1-31-3[31]

Im Jahr 1993 wurden StahlgleitwĂ€nde und eine Lichtsignalanlage installiert, da die BrĂŒcke mit einer Breite von 5,40 m den modernen Verkehrsanforderungen nicht mehr genĂŒgt. Ein durchgefĂŒhrter Umbau verbreiterte die Fahrbahn auf 6,50 m, die TragfĂ€higkeit erhöhte sich entsprechend auf die BrĂŒckenklasse 60/30 und die Breite zwischen Borden und GelĂ€ndern wurde auf 1,25 m vergrĂ¶ĂŸernt. Historische Elemente wie die steinernen BrĂŒstungen ĂŒber den Pfeilern und Widerlagern wurden grĂ¶ĂŸtenteils wiederhergestellt und ein SondergelĂ€nder wurde eng an das ursprĂŒngliche historische GelĂ€nder angelehnt. Die EntwĂ€sserung des Überbaus erfolgt durch BrĂŒckenablĂ€ufe und LĂ€ngsleitungen, wĂ€hrend der Kolkschutz der Flusspfeiler durch ausbetonierte SpundwandkĂ€sten und Wasserbausternen gewĂ€hrleistet wird.cite-ref-2-32-1[32]cite-ref-3-33-1[33]cite-ref-1-31-4[31]

Freiwillige Feuerwehr Kössern

Die Freiwillige Feuerwehr Kössern wurde im Jahr 1934 gegrĂŒndet und ist seitdem ein fester Bestandteil des örtlichen Brandschutzes und der Gefahrenabwehr. Neben dem klassischen Einsatzspektrum in Brand- und Hilfeleistungssituationen engagiert sich die Wehr auch in der Nachwuchsarbeit durch eine eigene Jugendfeuerwehr.cite-ref-34[34] Derzeit verfĂŒgt die Feuerwehr ĂŒber ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank (TSF-W), das unter anderem mit einem 750-Liter-Wassertank, einer Tragkraftspritze PFPN 10–1000 sowie umfangreicher Beleuchtungs- und Verkehrssicherungstechnik ausgestattet ist.cite-ref-35[35] Zur Verbesserung der Einsatzbedingungen begann im Jahr 2023 der Neubau eines modernen FeuerwehrgerĂ€tehauses auf dem GelĂ€nde einer zuvor abgerissenen ehemaligen Kaufhalle. Das neue GebĂ€ude umfasst unter anderem eine Fahrzeughalle fĂŒr zwei Einsatzfahrzeuge, einen Sozialtrakt sowie SchulungsrĂ€ume, soll voraussichtlich 2025 fertiggestellt werden und rund 2,3 Mio. Euro kosten.cite-ref-36[36]

| Zeitraum | Person |
|---|---|
| 1932–1933 | Christoph Krösch |
| 1933–1945 | Oswin Schulz |
| 1945–1946 | Arthur Pietzsch |
| 1946–1952 | Willi Voigt |
| 1952–1960 | Heinz Warnecke |
| 1960–1964 | Manfred Jahn |
| 1964–1972 | Wolfgang Busch |
| 1972–2008 | Michael Hartmann |
| 2008–2013 | Hans JĂŒrgen Lindner |
| seit 2013 | René Stephan |

Literatur

‱ Kössern. In: August Schumann: VollstĂ€ndiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 5. Band. Schumann, Zwickau 1818, S. 25.
‱ Cornelius Gurlitt: Kössern. In: Beschreibende Darstellung der Ă€lteren Bau- und KunstdenkmĂ€ler des Königreichs Sachsen. 19. Heft: Amtshauptmannschaft Grimma (1. HĂ€lfte). C. C. Meinhold, Dresden 1897, S. 148.

Weblinks

Commons

: Kössern

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikisource: RittergĂŒter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Kössern

– Quellen und Volltexte

‱ Kössern im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
‱ Die Ortschaft Kössern mit Förstgen auf der Website der Stadt Grimma
‱ Kössern auf der Website von Historisches Sachsen. In: historisches-sachsen.net/koessern.htm. Abgerufen am 29. Januar 2017.
‱ Das Jagdhaus. Barockes Kleinod in Kössern. In: jagdhaus-koessern.de. Abgerufen am 31. Januar 2021.
‱ Rittergut Kössern. In: rittergut.org. Abgerufen am 31. Januar 2021.
‱ Website ĂŒber Kössern, dem Dorf der Baumeister

Einzelnachweise

cite-note-11. Einwohner-Statistik. In: Stadt Grimma. Abgerufen am 18. September 2024.
cite-note-4-22. ↑ Grimma: Rittergut Kössern. In: sachsens-schloesser.de. 25. September 2012, abgerufen am 16. Mai 2025.
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